Ein Wetterhahn aus Edelstahl

Er kann nicht krähen, aber er weiß, woher der Wind weht: Der Wetterhahn ist wohl der bekannteste Windrichtungsgeber der Welt. Anders als seinem tierischen Kollegen, dem Wetterfrosch, wird dem Wetterhahn auch eine gewisse Kompetenz zugesprochen. Das liegt wohl daran, dass der Hahn sich auf eine Kerndisziplin beschränkt, dem Anzeigen der Windrichtung, während der großmäulige Frosch gleich ganze Wetterlagen orakeln möchte.

Der erste Wetterhahn war ein Meeresgott

Die Bestimmung der Windrichtung war schon früh für die Menschheit von großem Interesse. Gerade für die Seefahrt ist die Windrichtung ein wichtiges Thema. Da ist es kaum verwunderlich, dass die erste bekannte Wetterfahne der Welt in Gestalt einer Figur des Meeresgottes Triton auf dem Turm der Winde in Athen aufragte. Etwa 100 vor Christus sollen der achteckige Turm und die Windfahne darauf erbaut worden sein. Sie funktionierte ganz ähnlich wie der heute bekannte Wetterhahn: Der Schweif des Meeresgottes richtete sich nach dem Wind aus.

Viele Windfahnen wehten an Schiffsmasten

Die ersten flächendeckend verbreiteten Windrichtungsgeber waren im Europa des 8. Jahrhunderts der Seefahrt vorbehalten: An den höchsten Schiffsmasten wurden Windfahnen aus Stoff oder Metall angebracht, um die für das Vorankommen der Schiffe so entscheidende Windrichtung festzustellen. Im 11. Jahrhundert wurde diese Sitte dann für das Festland übernommen – weil es in den Dörfern und Städten aber natürlich keine Schiffe gab, mussten Hausdächer sowie Türme von Kirchen, Burgen und Schlössern als Befestigungsgrundlage herhalten.

So wurde aus der Wetterfahne ein Wetterhahn

Bei einem Wetterhahn denken viele Menschen auch gleich an eine Kirche. Man findet sie tatsächlich auf vielen Kirchdächern – entweder als voll ausgeführte Plastik mit vielen Details oder als einfachen, aber effektiven Scherenschnitt. Tatsächlich stammt der älteste bekannte Wetterhahn aus dem 9. Jahrhundert und wurde auf Geheiß des Bischofs Rampertus von Brescia in Bronze gegossen und auf dem Turm der Kirche San Faustino Maggiore befestigt.

Warum sich der Bischof für einen Hahn entschied, kann heute nicht mehr zweifelsfrei erklärt werden, aber es gibt zwei wesentliche Deutungsversuche. Zum einen wird verwiesen auf die bekannte biblische Geschichte von dem Apostel Petrus, der seinen Meister Jesus Christus dreimal verleugnete, bevor der Hahn zum Morgen krähte. Zum anderen galt der Hahn im Mittelalter auch als Symbol für Christus selbst, denn wie der Hahn mit seinem Krähen das Ende der Nacht und den anbrechenden Morgen verkündet, hat Christus die Nacht des Todes besiegt und das Licht des Lebens verkündet.

Die oft gehörte Behauptung, katholische Kirchtürme trügen Wetterhähne und evangelische Kreuze, ist übrigens falsch. Diese Regel trifft zwar auf den süddeutschen Raum zu, in Norddeutschland verhält es sich aber gerade umgekehrt. Am Wetterhahn lässt sich die Konfession also kaum erkennen.

Karl der Große und seine Wetterhenne

Ein einziger Fall ist bekannt, in dem kein Wetterhahn, sondern eine Wetterhenne einen Kirchturm ziert. Verantwortlich für dieses Kuriosum, das die Alte St.-Alexander-Kirche in Wallenhorst als Alleinstellungsmerkmal auszeichnet, soll der Legende nach kein Geringerer als Kaiser Karl der Große sein. Nachdem dieser den Sachsenherzog Wittekind im offenen Kampf besiegt hatte, ließ er auf den Überresten eines heidnischen Tempels eine neue Kirche bauen und deren Turm mit einer Henne schmücken, damit diese Henne in Zukunft noch weitere Kirche ausbrüten könne. Historisch zweifelsfrei gesichert ist diese Legende zwar nicht, aber eine befriedigendere Erklärung für das Vorhandensein einer Henne anstelle eines Hahns konnte noch niemand liefern.

Der Wetterhahn ist längst im Alltag angekommen

Der Wetterhahn fand rasch großen Anklang und weite Verbreitung und ist heute bei Weitem nicht nur auf Kirchtürmen zu finden. Auch für den Hausgebrauch haben sich Wetterhähne als äußerst beliebtes Accessoire entpuppt. Für den Privatgebrauch – zum Beispiel im Garten – haben sich Modelle aus Edelstahl bewährt. Ein Wetterhahn aus Edelstahl ist robust, verlässlich und pflegeleicht, sieht dabei nicht nur hübsch aus, sondern gibt auch gleich Aufschluss, woher der Wind weht. Dabei sind der Fantasie und den Gestaltungswünschen der Besitzer keine Grenzen gesetzt. Gerade Modelle aus Edelstahl werden häufig nach individuellen Wünschen gefertigt und geben dem heimischen Garten, dem Haus- oder Garagendach eine persönliche Note. Wenn heute irgendwo ein Wetterhahn installiert wird, dann als dekoratives Windspiel oder erbaulicher Dachschmuck. Religiöse Gründe spielen hingegen kaum noch eine Rolle.

Wie der Wetterhahn einen sprechenden Elefanten erfand

Der berühmte sprechende Elefant Benjamin Blümchen, seit Jahrzehnten Liebling zahlloser Kinder, begann seine Karriere als Wetterhahn – oder besser: als Wetterelefant, erlebte er sein erstes Abenteuer doch als Ersatzmann für den eigentlichen Wetterhahn Siegfried Simpel, den es für zwei Wochen zum Erholungsurlaub in sonnigere Gefilde zog. Die Erfinderin von Benjamin Blümchen, die österreichische Autorin Elfie Donnelly, erklärte, dass überhaupt erst der Anblick eines Wetterhahns die Inspiration zu Benjamin Blümchen gegeben habe: Was wäre, habe sie sich gefragt, wenn anstelle des Hahns dort ein Elefant auf dem Kirchturm stehen würde? Aus der spontanen Scherzidee wurde ein Millionengeschäft, das noch heute eine der gefragtesten Entertainment-Marken in Deutschland ist.

Der Wetterhahn ist nicht immer ein gutes Vorbild

Obwohl der Wetterhahn unbestritten eine sehr sinnvolle Einrichtung ist, hat er auf eine eher negative Weise Eingang in den täglichen Sprachgebrauch gefunden: Wer seine Fahne nach dem Wind hängt, der macht im Prinzip dasselbe wie der Wetterhahn – nur ist er dabei kein wertvoller Gradmesser, sondern im Gegenteil ein wankelmütiger Wendehals. Auch darin spiegelt sich die bereits erwähnte Geschichte von Petrus, der sich vom starken Wind in eine andere Richtung blasen ließ. Es ist ganz sicher nicht als Lob zu verstehen, wenn jemand sein Fähnchen nach dem Wind hängt – deshalb sollte man diese Eigenschaft wohl eher dem Wetterhahn überlassen, dem sie besser zu Gesicht steht.

Der Wind ist vielleicht die Zukunft

In Zeiten von Klimakrise und immer stärker werdendem Augenmerk auf Umweltschutz und erneuerbare Energien ist der Wind stark ins Blickfeld gerückt. Windkraftenergie gilt vielerorts als die grüne Lösung für die Energieversorgung der Zukunft. Möglicherweise wird dann der Wetterhahn – oder ein moderner High-Tech-Nachkomme – sogar zu einem wichtigen Wächter für die lebenswichtige Stromversorgung. Übrigens: Auch Windräder werden häufig aus Edelstahl gefertigt. Vielleicht steht bald in jedem Garten eine Mini-Windkraftanlage?

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Marius Wittig (Techniker)

Marius Wittig (Techniker)

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