Ökobilanz – Welche Rohstoffe minimieren Umweltbelastungen?

Überblick

Die Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) bewertet die Umweltwirkungen eines Produkts oder Systems über seinen gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung, Nutzung, Wartung und Entsorgung bis hin zur Recyclingphase. Wenn es um Edelstahl-Geländer geht, spielen die Wahl der Rohstoffe und deren Herkunft eine zentrale Rolle. Im Folgenden werden zentrale Rohstoffe, Einflussfaktoren und Strategien vorgestellt, wie sich Umweltbelastungen durch sinnvolle Rohstoffwahl minimieren lassen.

Hauptrohstoffe und ihre Umweltwirkung

Eisen und Stahl: Edelstahl besteht überwiegend aus Eisen mit Legierungsanteilen wie Chrom und Nickel. Die Gewinnung von Eisenerz ist energieintensiv und mit geringeren Umweltbelastungen verbunden, wenn sie aus gut erschlossenen Minen mit strengen Umweltauflagen stammt. Ein Großteil des in Deutschland verwendeten Stahls stammt aus Importen.

Chrom und Nickel: Diese Legierungselemente bestimmen maßgeblich die Korrosionsbeständigkeit. Ihre Gewinnung ist oft mit hohen Umweltbelastungen verbunden, insbesondere bei Minenbetrieben. Durch den Einsatz von hochwertigem Recyclingmaterial wird der Bedarf an Primärchrom und -nickel reduziert, was direkte Emissionen, Energiebedarf und Abfall reduziert.

Recyclingmaterialien (Stahl- und Edelstahlabfälle): Recycling hat einen positiven Effekt auf die Ökobilanz, weil der Energieverbrauch deutlich niedriger ist als bei der Primärherstellung. Die Nutzung von Sekundärrohstoffen senkt CO2-Emissionen, reduziert Ressourcenabbau und verringert Abfallströme.

Faktoren, die die Umweltbelastung beeinflussen

Energiequelle und -effizienz: Die prozessuale Energieintensität in Schmelzen, Walzen und Oberflächenbehandlung ist hoch. Der Einsatz erneuerbarer Energien oder effizienterer Technologien (z. B. Elektrifizierung, Abwärmenutzung) reduziert Emissionen deutlich.

Normen und Qualitätssicherung: Höhere Rückverfolgbarkeit und hochwertige Zertifizierungen (ISO/EN-Normen) fördern die Nutzung recycelter Materialien und sichern eine längere Nutzungsdauer, was indirekt Umweltbelastungen senkt.

Oberflächenbehandlung und Lebensdauer: Polierte oder eng veredelte Oberflächen erhöhen Korrosionsbeständigkeit und Lebensdauer. Eine längere Lebensdauer bedeutet weniger Ersatzmaterialien und damit geringere Umweltbelastung pro Nutzungsjahr.

Transport und Logistik: Internationale Beschaffung erhöht Transportemissionen. Lokale oder regionalisierte Beschaffung reduziert CO2-Emissionen durch kürzere Transportwege.

Entsorgung und Recyclingquoten: Hohe Recyclingquoten am Ende der Nutzungsdauer verringern die Umweltbelastung. 

Strategien für eine minimierte Umweltbelastung durch Rohstoffe

Höhere Recyclingquote nutzen: Edelstahl- und Stahlabfälle sollten konsequent recycelt werden. Die Verwertung von Spänen, Altmaterialien und Produktionsabfällen ist oft die nachhaltigste Quelle von Cr-Ni-Stählen.

Reine Materialströme sichern: Effektive Trennung von Materialien (Stahl, Edelstahl, Befestigungselemente) erleichtert die Nachbereitung in Recyclinganlagen und erhöht die Rückführung in hochwertige Sekundärrohstoffe.

Materialauswahl mit Fokus auf Recyclingfähigkeit: Wahl von Legierungen, die gut recycelbar sind und einen hohen Anteil an Sekundärrohstoffen enthalten. Vorzugsweise Edelstahlarten, deren Recyclingströme etabliert sind (z. B. Cr-Ni-Stähle 304/316).

Energie- und Emissionsreduktion in der Produktion: Einsatz von modernster Schmelztechnik, Abwärmenutzung und Erneuerbaren Energien in der Fertigung reduziert den Emissionsfaktor der Produktion.

Lokale Beschaffung und regionale Wertschöpfung: Beschaffung regionaler Rohstoffe

Fazit

Wesentliche Ansatzpunkte zur Minimierung der Umweltbelastung sind eine hohe Recyclingquote, eine konsequente Trennung der Materialströme,  sowie der Einsatz von recycelten Sekundärrohstoffen. Durch regionale Beschaffung, effiziente Energienutzung in der Produktion und langlebige, wartungsarme Oberflächen lässt sich der ökologische Fußabdruck weiter verringern. Insgesamt zeigen sich die größten Umweltvorteile bei einer starken Kreislaufwirtschaft, planbarer Demontage und einer transparenten Dokumentation der Rückführung von Materialien in hochwertige Sekundärstoffe.

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Bild von Marius Wittig (Techniker)

Marius Wittig (Techniker)

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